Der Tag danach

Die Nacht der Museen war kürzer als gedacht.

Eine unerfreuliche Sache konnten die vom NRW-Forum in Düsseldorf ausgesandten Fotoblogger nämlich hautnah miterleben: Das deutsche Urheberrecht und vor allem die Verwertungsgesellschaften sind ein Anachronismus, über den sachlich und zeitgemäß diskutiert werden muss.

Bei einer solchen Werbeveranstaltung in Museen Fotografierverbote aufrecht zu erhalten, ist aus meiner Sicht einfach nur schlechtes Marketing, das nicht mehr in die heutige Zeit passt. Wir leben in einem Informationszeitalter, das sollten Künstler, Museen und Verwertungsgesellschaften dringend realisieren.

Warum man sich als Veranstalter des Fotoblogging-Events nicht vor der Veranstaltung mit der rechtlichen Situation befasst, ist mir allerdings auch schleierhaft.

Kann man nicht mit den Museen und Verwertungsgesellschaften sprechen und den Fotobloggern kommunizieren, wo man sie als Multiplikator willkommen heißt? Man kann in Zeiten der Diskussion bestehende Regeln nicht einfach ignorieren, sondern muss klar und sachlich aufzeigen, wo Änderungsbedarf besteht.

Statt über das Teilen von Bildern mehr Menschen für die Kunst zu begeistern, schottet man sich im Elfenbeinturm der etablierten Kunstszene ab. Wann werden es die Verantwortlichen begreifen, das Kunst zum Betrachten und Interpretieren gemacht wurde? Interpretation heißt auch, den Blickwinkel des Betrachters zu akzeptieren und über dessen Näherung auch andere zu bewegen, sich mit dem Exponat zu beschäftigen.

Alle Künstler, die ich kenne, sind froh, wenn man sich mit ihren Werken befasst. Auch wenn man sich kontrovers damit befasst. Und wenn man mehr Menschen dazu bewegen kann. Oft wird reklamiert, das zu wenig Menschen Kunst kaufen. Blödsinn. Viel zu wenig Menschen können Kunst wahrnehmen. Weil zu wenig Atmosphäre transportiert wird und man sie in gut klimatisierten, unnahbaren Gebäuden versteckt.

Man verliert keine Museumsbesucher, wenn man Bilder zulässt. Man gewinnt welche hinzu, denn ein Gemälde oder eine Skulptur wirkt direkt betrachtet immer anders. Also kann ein Bild davon nur ein Lockmittel sein.

Events wie das für gestern geplante Live-Blogging ist nichts anderes als „Pressearbeit 2.0“. Der hochglänzende Ausstellungskatalog ist bestimmt immer noch wichtig, auch die klassische Pressearbeit im Printbereich. Aber in Zeiten von Smartphone und „Internet in the pocket“ ändert sich der Verbreitungsweg für Informationen rapide. Wer gestern gesehen hat, wie viele Menschen vor dem NRW-Forum standen und die Berichte an den Leinwänden aufgesogen haben, wird den Stellenwert solcher ad-hoc Informationen verstehen.

Das Wahrgenommene führt mich zu dem Schluss, dass Verwertungsgesellschaften und Rechteinhaber eher eine Abschottung der bestehenden Kunstszene betreiben.

Also heißt für mich die Konsequenz: Ich bleibe dort weg. Und gehe dorthin, wo man den Betrachter einlädt, das Gesehene zu verbreiten um andere einzuladen.

Nennen wir es „Kunstfreundschaft 2.0“